+49 2223 – 900 06 16
Geschichte des Schornsteinfegerhandwerks
Geschichte des Schornsteinfegerhandwerks

Die Geschichte des Schornsteinfegerhandwerks

Die Landschaft wurde vor Jahrhunderten geprägt von kleinen Holzhütten, die Schiefer- und Strohdächer hatten. Die Schornsteine dieser Häuser waren früher oft aus Holz, somit sehr leicht entflammbar. Da früher oft nasses Holz und harziges Holz falsch verbrannt wurde, entstanden bei der Verbrennung größere Mengen von Ruß, die eine riesige Feuergefahr darstellten. Hierbei kam es immer wieder zu sehr tragischen Bränden, sowohl in Dörfern als auch in Städten, die zu dieser Zeit entstanden. Wobei es in den Städten aufgrund der dichten aneinander gebauten Häuser zu noch viel schlimmeren Folgen kam, als auf den Dörfern, die nicht so dicht besiedelt waren. In den Städten konnte aufgrund von Funkenflug, der bei einem Kaminbrand entsteht, aus dem Schornstein heraus nicht nur auf das Dach des betroffenen Hauses übergehen, sondern auch auf das der Nachbarn. In ganz besonders tragischen Fällen dadurch sogar ganzen Straßenzüge abbrannten. In der damaligen Zeit verloren die Menschen dadurch nicht nur ihr zu Hause, sondern auch viele ihr Leben.

Es bestand also dringender Handlungsbedarf.

Zuerst überlegte man sich die Holzkamine von innen mit Lehm auszukleiden und somit die Feuergefahr zu minimieren. Dadurch wurden auch die Kaminbrände drastisch reduziert.

Was leider aber immer noch blieb waren die Brände die im inneren des Hauses entstanden durch Funkenflug von Holzöfen die zum Kochen oder auch heizen verwendet wurden. Auch hierbei entstand bei der Verbrennung von feuchtem Holz Ruß und Teer. Da die Menschen früher nicht den Platz und auch nicht das Geld hatten das Holz zu lagern, wurde dieses in der Regel feucht verheizt.

Bei der Verbrennung von feuchtem Holz entsteht Ruß und Teer. Diese beiden Ablagerungen setzen sich an den Schornsteinwänden ab. Da diese schon bei sehr geringer Temperatur leicht entflammbar sind, stellen sie somit eine große Brandgefahr dar.

Um diesen entgegen zu strotzen kletterten kleinwüchsige Menschen in die Rauchabzüge und Schornsteine und kratzen dort den Teer- und die Rußablagerungen heraus.

Die ersten Schornsteinfeger kamen im 16. Jahrhundert aus Italien und verbreiterten ihr Handwerk über Österreich und Süddeutschland. Das Handwerk des Schornsteinfegers breitete sich auch allmählich in der norddeutschen Regionen aus.

Anfang des 18. Jahrhunderts kamen die meisten Schornsteinfeger aus einem kleinen Tal in Norditalien dem «Tal der Schornsteinfeger» in Santa Maria Maggiore. Das Tal liegt nordwestlich des Lago Maggiore, an der Bahnstrecke zwischen Domodossola und dem schweizerischen Locarno im Vigezzo-Tal. Dieses wird auch «Valle des Spazzacamino» genannt. Die Familien in diesem Tal waren sehr arm aber äusserst Kinderreich, somit zogen ältere Schornsteinfeger durch die Dörfer in diesem Tal auf der Suche nach «bocia». Das waren kleine Jungen in der Regel zwischen 6 und 8 Jahren, je magerer und kleiner, desto besser. Denn der kleine Schornsteinferger, «rüsca» genannt, sollte ja in die Kamine klettern und dort sich mit Rücken und Füßen in inneren des Kamins hochschieben, dabei sollte er mit Hilfe einer Raspel den Ruß abkratzen.

Die Eltern dieser Jungen übergaben dem Schornsteinfeger aus Armut ihre Kinder, weil dieser ihnen versprachen den Jungen ein Handwerk beizubringen.

In diesem Tal gab es fast jeder Familie einen «rüsca». Der Schornsteinfeger zahlte den Familien 100 lire für ein halbes Jahr in seinem Dienst, das war auch für die damalige Zeit ein Hungerlohn. Jedoch verließen hunderte Jungen vor dem Winter ihre Familien. Der Abschied war, wie man sich denken kann für Kind und Eltern schrecklich.

Hier liegt wahrscheinlich auch der Ursprung des Kinderlieds «Wer hat Angst vor’m schwarzen Mann ….???»

Jungen, die mit einem Schornsteinfeger mitgingen, erging es nicht besonders gut, denn zu essen gab es das, was mitleidige Kunden ihnen gaben. Zu viel sollte es aber auf gar keinen Fall sein, die Kinder die nämlich zu dick wurden, passten ja nicht mehr in den Schornstein. Oft erschwerte der Winter bei Frost die Arbeit, die Kinder wurden krank und nicht selten kam es zu Unfällen, die sie nicht überlebten.

Einige entgingen diesem Schicksal und wurden sogar berühmt.

Einer von ihnen war Pietro de Zanna * 1779, der die Technik der Warmluftheizung neu entdeckte. Die Zeitungen feierten ihn als italienischen Benjamin Franklin. Unter anderem baute Zanna die Heizanlage für das Königsschloss in Wien.

Einer der Berühmtesten seiner Zunft wurde Giovanni Paolo Feminis. Er wanderte nach Köln aus. 1727 eröffnete er ein Spezialgeschäft. Als Zunftfreier durfte er nur mit zunftfreien Artikeln handeln- die nannte man damals «französischen Kram». Damit waren gemeint Luxusartikel wie Seide, aber vor allem aber Duftwässer.

Feminis verkaufte ein solches unter dem Namen aqua mirabilis, dass er selber zusammenstellt hatte. Na dessen Tod erbete oder kaufte ein Kölner Fabrikant das Rezept dieses Duftwassers. Auch er stammte wie Zanna aus Santa Maria Maggiore. Farina sein Name verfeinerte das Duftwasser weiter und machte auch ihm das «Eau de Cologne», als «Echt Kölnisch Wasser», weltberühmt.

Jene Schornsteinfeger die es im Ausland zu Wohlstand gebracht hatten, blieben zu der damaligen Zeit aber immer ihrem Tal treu. Sie kamen entweder im Alter zurück in ihre Orte, oder bedachten ihren jeweiligen Heimatort im Testament.

Seit Anfang der 80er-Jahre treffen sich alljährlich in dem kleinen Ort in Italien in Santa Maria Maggiore. Anfangs waren es gerade mal 25 aus der Gegend und ein Deutscher und ein Schweizer die zufällig dazu kamen.

Seitdem kommen jedes Jahr aus der ganzen Welt die Schornsteinfeger um in diesen kleinen Ort in Italien mehrere Tage miteinander zu feiern.

Nirgendwo sonst auf der Welt kann man in diesen Tagen so vielen Glücksbringern begegnen wie dort.

Denn schon immer galten die auch die kleinen «rüsca» als Glücksbringer- vor allem bei jungen Mädchen im heiratsfähigem Alter. Sie müssen um ihr Glück zu finden die schwarzen Jungen und Männer nur mit den Fingerspitzen berühren.

Die erste Schornsteinfegerinnung wurde in Deutschland im Jahre 1878 gegründet, sie besteht bis heute in Mecklenburg.

Die Feuergefahr wurde dadurch erheblich vermindert seitdem es Schornsteinfeger gibt. Schornsteinbrände, Funkenflüge und die daraus resultierenden Hausbrände waren nicht mehr in dem Maße wie es vorher der Fall gewesen war.

Somit verhalfen die Brandkatastrophen einem Beruf zur Entstehung.

Man erkannte schnell den enormen nutzen und Notwendigkeit dieser Arbeit, sofern diese auch immer regelmäßig durchgeführt wurde. Denn durch verstopfte Kamine konnten nicht nur Brände entstehen, sondern auch keine warme Mahlzeit zubereitete werden. Zudem konnte kein Ofen angefeuert werden und die Wohnstuben blieben kalt. Aber nicht nur Brände entstanden durch verstopfte Abgaswege, sondern es kam auch in einigen Fällen zu Rauchgasvergiftungen.

Im Fürstentum, Herzogtum, Dörfer und Stadtteilen hatten die Schornsteinfeger die Aufsicht über die Kamine. Somit war im weitesten Sinne der Kehrbezirk eines Schornsteinfergers erschaffen und das Schornsteinfegerhandwerk war geboren. Dadurch konnte die Anzahl der Hausbrände und Brandkatastrophen, aber auch der Verbrauch an Energie, besonders in der heutigen Zeit sehr wichtig, konnte sehr erfolgreich und deutlich reduziert werden.

Es wurden in vielen Orten Feuerverordnungen den Menschen erteilt, in denen erlassen wurde das jedes Haus einen Schornsteinfeger beauftragen solle. Diese Tätigkeit des Schornsteinfegers gilt als unabdingbar und ist bis zum heutigen Tage für alle gültig.

Ständig erweitert sich das Berufsbild des Schornsteinfegers, da Heizgewohnheiten, Ofen-, Feuerungs- und Brennstoffarten und die Weiterentwicklung des Hausbaus sich stetig ändern und verbessern. Durch Austausch mit Schornsteinfegerkollegen und berufsähnlichen Berufen werden durch Entschlossenheit und Tatkraft damals und heute stets Verbesserungen herbeigerufen.

Gleichzeitig wird den Schornsteinfegern nachgesagt, dass sie Glück bringen.

Es gibt keinen Beruf welcher den Anblick von Menschen so erfreuen lässt, wie der des Schornsteinfegers. Auf ungezählten Glückwunschpostkarten werden er, das Glücksschwein und ein Kleeblatt an Verwandte, Freunde und Bekannte verschickt.

Warum wird dem Schornsteinfeger eigentlich nachgesagt, dass er Glück bringt??

Hausbesitzer in der damaligen Zeit, wie oben bereits erläutert, sprachen von Glück, weil ihre Häuser nicht abbrannten, wenn diese von Schornsteinfegern regelmäßig gekehrt wurden.

Sie sagten dann: „Ein Glück, dass der Schonsteinfeger da war.“

In den späteren Jahren war der Schornsteinfeger derjenige, der zum Jahresanfang seine Kehrarbeiten bei den Kunden erledigte und somit wurde der Schornsteinfeger schnell zum Neujahrs-Glücksbringer.

 

Quellen:

  • Wikipedia
  • Dieter Koesling, schornsteinfeger-lehrer.de
  • Weitere historische Fachbücher über das Schornsteinfeger-Handwerk